Aus der örtlichen Presse erfuhr ich von einem Absturz eines deutschen Nachtjägers Ende 1944
in der Nähe von Ebrach im Steigerwald. Nach etwas längerer Suche, da die Absturzstelle mit dem
schönen Gedenkstein von der Strasse weder einsehbar noch ausgeschildert ist, fanden wir dann
doch noch die Örtlichkeit. Für alle, die dort auch mal vorbeischauen wollen, hier die nötigen
GPS-Daten: 49o 51´ 55,8´´ N und 10o 32´ 17,3´´ O.
Am Abend des 05. Dezember 1944 zerschellt um 22:37 ein deutscher Nachtjäger im Wald zwischen
Koppenwind und Neudorf an der viel befahrenen Steigerwald-Höhenstrasse von Untersteinbach
nach Ebrach.
Pilot Heinrich Gasch und sein Bordfunker Günter Milerski verbrennen bis zur Unkenntlichkeit
im Wrack. Der nichtangeschnallte Bordschütze Karl Rethaber wird aus seiner Kanzel geschleudert
und kann sich zu Fuß mit schweren Verbrennungen zu Familie Weinbeer nach Koppenwind retten. Dort
werden die schweren Verbrennung so gut wie möglich behandelt.
Am nächsten Tag wird er von Sanitätssoldaten abgeholt und ins Reservelazarett nach Ebrach
gebracht. Von dort wird der Gefreite aus Hecklingen bei Freiburg ins Lazarett nach Kitzingen
und anschliessend nach Heidelberg verlegt.
Aufgrund der schweren Verletzungen und der damals unzureichenden Wundversorgung verliert er
beide Ohren und gerät am 12. Mai 1945 noch in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Am 09. Oktober 1945 kehrt er nach Hause zurück, bewirtschaftet einen Bauernhof und stirbt dort,
als Vater von 7 Kindern am 21. März 1998 im Alter von 72 Jahren.
Das Flugzeugwarck wird mit Tiefladern von Luftwaffensoldaten aus Kitzingen abtransportiert.
Die sterblichen Überreste der beiden verbrannten Soldaten bringt man nach Kitzingen und bestattet
sie dort am 11. Dezember 1944 mit militärischen Ehren auf dem Ehrenteil des städtischen Friedhofs.
Zwar wird er am 23./24. Februar 1945 bei einem verheerenden Luftangriff der Allierten zerstört,
doch werden die verwüsteten Gräber wieder hergestellt.
Bald wird an der Absturzstelle ein Holzkreuz mit Stahlhelm aufgestellt. Da das Kreuz immer wieder
ersetzt werden muß, wird am 19. Juli 1988 an der Absturzstelle ein Gedenkstein mit folgender
Inschrift eingeweiht:
Absturzstelle eines Deutschen Fliegers JU 88, 1944/45.
Einer überlebte, zwei starben den Heldentod.
Der Luftkriegshistoriker und Buchautor Werner Gibig findet später jedoch heraus, dass es sich
um eine Bf 110 G-4 des NJG 6 aus Kitzingen gehandelt hatte.
Deswegen steht jetzt ein neuer Gedenkstein aus Muschelkalksandstein an der Stelle mit folgenden
Schriftplatten:
Selstverständlich fuhren wir nach dem Besuch der Absturzstelle noch nach Kitzingen auf den
städtischen Friedhof. Dort im Ehrenteil, welcher sich mittig des Friedhofes befindet, sind auch
die Grabstätten von Milerski und Gasch nebeneinander über Eck.
Anzumerken bliebe hierbei noch, dass Sockel, Gedenkstein und Gedenktafel auf eigene Kosten
von Herrn Georg Stark von der gleichnamigen Naturstein- und Steinmetzfirma hergstellt worden
sind. Seinen Antrieb beschrieb er selbst mit:
"Ich tue das, damit der Absturz nicht in Vergessenheit gerät"
Solch Opferbereitschaft ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich und wird deshalb
hier extra erwähnt.